GUTE ABSICHTEN ERZEUGEN NOCH KEIN VERTRAUEN.

Warum Vertrauen weniger von unseren Absichten abhängt als von den Erfahrungen, die Menschen mit uns machen.

Kaum ein Begriff taucht in Unternehmen so häufig auf wie Motivation. Führungskräfte sollen ihre Mitarbeitenden motivieren, Unternehmen investieren in Anreizsysteme und in vielen Gesprächen stellt sich früher oder später die Frage, wie sich Motivation steigern lässt.

Vertrauen gilt als eine der wichtigsten Grundlagen erfolgreicher Zusammenarbeit. Es wird in Leitbildern erwähnt, in Führungsgrundsätzen verankert und in Mitarbeiterbefragungen regelmässig als zentraler Erfolgsfaktor genannt.

Trotzdem begegnen mir immer wieder Situationen, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen. Führungskräfte erleben sich selbst als offen, fair und transparent. Sie investieren Zeit in ihre Mitarbeitenden, kommunizieren ihre Entscheidungen nachvollziehbar und möchten ein vertrauensvolles Arbeitsumfeld schaffen. Gleichzeitig berichten Mitarbeitende von Unsicherheit, Zurückhaltung oder mangelndem Vertrauen.

Die naheliegende Erklärung lautet oft, dass Missverständnisse vorliegen oder die Bemühungen der Führungskraft nicht ausreichend wahrgenommen werden. Vielleicht liegt die Ursache jedoch an einer anderen Stelle.

Denn Vertrauen entsteht selten aufgrund dessen, was Menschen beabsichtigen. Vertrauen entsteht aufgrund dessen, was Menschen erleben.

Ob wir einer Person vertrauen, entscheidet sich nicht daran, wie sie sich selbst einschätzt oder welche Werte sie vertritt. Entscheidend ist vielmehr, welche Erfahrungen wir im täglichen Miteinander machen. Werden Zusagen eingehalten? Sind Entscheidungen nachvollziehbar? Bleibt das Verhalten auch unter Druck konsistent? Können Fehler angesprochen werden, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen?

Unser Gehirn bewertet solche Erfahrungen laufend und weitgehend unbewusst. Es sucht nach Hinweisen darauf, ob eine Situation vorhersehbar, fair und sicher ist. Entsteht dabei ein stimmiges Bild, wächst Vertrauen. Entstehen dagegen wiederholt Irritationen, Widersprüche oder Unsicherheiten, wird Vertrauen vorsichtiger vergeben, selbst dann, wenn die Absichten der Beteiligten durchaus positiv sind.

Genau deshalb reicht es selten aus, Vertrauen schaffen zu wollen. Gute Absichten sind wichtig, aber sie bilden lediglich die Grundlage. Vertrauen entsteht erst dort, wo Menschen im Alltag erleben, dass Worte und Handlungen übereinstimmen.

Vielleicht lohnt es sich deshalb, weniger darüber nachzudenken, ob wir vertrauenswürdig wirken möchten und häufiger darüber, welche Erfahrungen andere Menschen in der Zusammenarbeit mit uns tatsächlich machen.

Denn Vertrauen interessiert sich nicht für unser Selbstbild. Vertrauen entsteht aus erlebter Realität.

Claudia Ledermann

Claudia Ledermann begleitet Unternehmen in den Bereichen Organisationsentwicklung, Führungsentwicklung, Neuroleadership und Veränderungsprozesse.

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WIDERSTAND IST SELTEN MANGELNDE VERÄNDERUNGSBEREITSCHAFT.

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MOTIVATION LÄSST SICH NICHT EINFORDERN.